Andreas Andy Hofmann

Gebrochener Finger, ein Erfahrungsbericht

von am Jul.29, 2010, unter Allgemein

Nach Langem habe ich nochmal einen Grund was zu schreiben: Ich will mal zusammenkehren, was ich alles über Brüche, Genesungsdauer, Heilung, und so weiter gehört und erlebt habe, denn im Netz findet man einfach nichts Aussagekräftiges und Vollständiges! Und die Ärzte erzählen alle einen anderen Blödsinn.
Ich will versuchen euch Fragen zu beantworten, Ratschläge zu geben und euch erzählen, was ich erlebt habe:

Was ist passiert:

Ich habe mir durch eine blöde Sache meinen Finger gebrochen und zwar das Grundglied des linken Ringfingers (Also der Knochen, der der Handfläche am Nächsten ist). Es sah ungefair so aus: Als die Finger ausgestreckt waren, sah alles gut aus, aber als ich eine Faust machen wollte, ging der Finger nach innen weg.
Gleich nachdem es passiert ist, meinten ein paar Leute, die dabei waren: “Ach das is nich schlimm”, “Der is nich gebrochen”, und all sowas.

Also erste Regel: Traut nur euch selbst wenn sowas passiert! Es ist euer Körper und schließlich zahlt ihr Kassenbeiträge, also warum nich ins Krankenhaus fahren, auch wenns “nur” ne Zerrung oder so ist. Dann habt ihr Sicherheit! Erst recht würde ich keine Scherze machen, wenn es um eure Hände geht! Schließlich geht ohne die garnix! (Ja ich weiß, ohne Rückenwirbel und wat weiß ich ned all auch nich… Ihr wisst, was ich meine! 🙂 )

Im Krankenhaus wurde also (zum Glück “nur”) ein einfacher Bruch des Grundglieds des linken Ringfingers diagnostiziert. Hier die Röntgenbilder:

Passiert ist das Freitags. Dort wurde mir eine Schiene angelegt und am nächsten Tag mustse ich nochmal dort erscheinen und habe dann mit dem (Wie sich später rausstellen wird: “einem”) behandelndem Chirurg gesprochen. Er sagte mir, ich habe die Wahl, was mit dem Bruch gemacht wird:

  • Neumodische Methode: Operation! Der Bruch wird mit etwas fixiert (Nennt sich in der Fachsprache “Osteosynthese” *klugscheiß*)
  • Konservative Methode: Einfach Schiene/Gips drum und sechs Wochen warten und nach drei Wochen wird geschaut, ob er richtig zusammenwächst. Wenn nich: Doch eine Operation

Beides hat seine Vor- und Nachteile: Die OP soll eben garantieren, dass der Bruch richtig zusammenwächst. Zudem kann die Schiene/Gips schon früher (4 Wochen) entfernt werden und der Bruch kann früher belastet werden. Ich habe aber schon Berichte von Freunden gehört, die damit nur Probleme hatten: Eine OP am Knie vor 20 Jahren macht heute noch Probleme (Ok, 20 Jahre, lang her und Knie ist immer heikel) und vor kurzem hatte Jemand sich ein Überbein entfernen lassen. Das heilte länger als gesagt, danach Blutergüsse und andere Dinge. Also ganz fürchterlich. Aber es wurde trotzdem nacher alles ok.
Die konservative Methode bringt die OP-Gefahr nich mit sich, aber natürlich weiß man nie, ob es richtig zusammenwächst und nich nacher noch ne OP hermuss oder man auf ewig nen krummen Finger hat.

Also zweite Regel: Entscheidet selbst, was ihr machen wollt. Es hat beides Vor- und Nachteile.

Der Arzt sagte, er würde bei der OP dann zwei Drähte in den Finger zur Fixierung setzen. Dafür wird nur ein kleines Loch gebohrt und das wars. Ich habe mich für die OP entschieden aus zwei Gründen:

  • Dieser eine Arzt sagte mir, dass ich bereits “nach zwei Wochen den Finger wieder belasten kann” (orig. Wortlaut)!
  • Man “garantiert”, dass der Finger richtig zusammenwächst

Hab ich natürlich gesagt: OP, her damit! Es ist mitten in der Turniersaison und in zwei Wochen wieder belasten können heißt: Nächstes Turnier starten klappt!

Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass das absoluter, 1000%iger Schwachsinn war!

Montag darauf war das Anästhesiegespräch (OP-Vorgespräch. Narkose, etc.). Das war der beste Arzt: Gesprächig und lustig. Er riet mir von einer lokalen (Also nur der Arm) Narkose ab, weil ich da eine Spritze in die Achsel bekäme, ne halbe Stunde warten müsste und dann wird erst operiert. Ich hab mich also für Vollnarkose entschieden.

Also dritte Regel: Lasst euch vom Anästhesiearzt gründlich informieren, was denn bei der lokalen Narkose gemacht wird und entscheidet, ob ihr das haben wollt! Sonst macht halt Vollnarkose und schlaft ne Runde 😉

Ich habe ne Runde geschlafen, womit wir beim OP-Tag sind:
Morgens war ich also da, nakisch machen, ab in der OP-Saal, kurzer Schwank mit den Schwestern und schon war ich nach dreimal einatmen weggetreten, hab also den Chirurg nie gesehn.
Als ich dann aufwachte kam “der Arzt” (Diesmal wars eine Frau, also jemand anderes) zu mir, sagt was sie gemacht haben und zeigt mir das Röntgenbild. Was haben sie gemacht? Nix Drähte, die haben zwei Schrauben reingesetzt. Also hab ich jetzt zwei Narben am Finger!
Das wir uns nich falsch verstehn: Mir sind die Narben sowas von egal, aber es geht darum, dass im OP-Saal umentschieden wird: “Och nöööö, lass ma Schrauben machen, haben wir noch soviele von!”. Wieso sagt mir Arzt A: “Drähte” und Arzt B macht “Schrauben”??

Also vierte Regel: Trau keinem Arzt 😉

Naja, nich so schlimm, hauptsache es heilt irgendwie… Die Ärztin sagte, dass ich den Tag drauf beim Hausarzt zur Wundkontrolle auftauchen solle.
Also am nächsten Morgen zum Hausarzt: Der hat sich das angesehn und es für gut befunden. Er sagte, dass ich in einer Woche zum Fäden ziehen kommen solle.
Also bin ich nächste Woche wieder hin zum Arzt. Dann kam mit das Härteste überhaupt. Es fing damit an, dass nich der Arzt, sondern die Schwester die Fäden ziehen sollte. “Naja, ned so schlimm”, dachte ich mir.
Sie fing also an: Sie nahm sich aus der Desinfektionskiste ne Zange und ne Schere… “Ne Zange und ne Schere???? Wieso nich einfach ne dünne Nadel und damit zieht die die Knoten auf?? Naja, sie wird schon wissen, was sie tut”. So dachte ich und es sollte sich rausstellen: Du Idiot!
Dazu sei noch gesagt, dass (im Verhältnis gesehn) die Zange eigentlich ne Rohrzange und die Schere eigentlich ne Heckenschere war!! Also viel zu groß!!
Sie fing an, zog an dem Faden und wollte unter dem Knoten, also zwischen Haut und Knoten, abschneiden. Die erwischte nur den ersten Knoten… nach dem nächsten Versuch, hat sie den Knoten halb durch geschnitten und *schwupp*, verschwand der in der Wunde… “Naaaa klasse!”… Sie hat das erstmal gelassen und mit dem zweiten Faden auf der anderen Seite angefangen. Hier schnibbelte sie einige Male öfter, ungenauer und völlig ohne Erfolg! Oh, sorry, doch! Sie hatte Erfolg! Sie hat mir in den Finger geschnitten, ich blutete also schön! Genial, ganz geil!!
Aber man muss ihr zugute halten, dass sie nich VÖLLIG verblödet war, denn dann kam sie auf eine Idee, die ich ihr nie zugetraut hätte: “Ich hole mal den Doktor!”… Unglaublich, wahnsinn, grandios, fantastisch, göttlich!! Dieser warf als Erstes nach einem ziemlich blöden Blick das Werkzeug weg, was sich die Schwester genommen hat und hat sich ne kleinere Schere und Zange geholt. Er drückte mir ne Lupe in die Hand und er brauchte auf beiden Seiten nur einen Schnitt und das Thema war erledigt! Warum ned gleich so!??

Also fünfte Regel: Lasst euch BLOS die Fäden vom Arzt entfernen!! Um Himmels Willen!!

Danach war ich verblüfft, dass der Arzt die Schiene wieder dranmachte wollte und wir uns erst in ein paar Wochen wiedersehen sollten. Schließlich habe der erste Arzt am Samstag gesagt, dass ich nach zwei Wochen den Finger wieder brauchen kann!? Er schaute ziemlich doof und hätte sowas noch nie gehört. Er rief also im Krankenhaus an und kam danach zu mir: “Da ist wohl einiges schiefgelaufen!”. “Oh, super, was denn nu?”, dachte ich mir. “Sie hätten schon längst wieder da sein sollen zur Nachuntersuchung! Das hat Ihnen aber keiner gesagt!”.
Also wieder ab ins Krankenhaus! Dort wurde ich erstmal wieder geröngt und traf danach auf den nächsten Arzt (Da fing ich an darüber nachzudenken, ein Sammelkartenalbum der Ärzte dieses Krankenhauses anzufertigen, hab ja bald alle schon mal gesehn!). Dieser war der Unfreundlichste von allem (Er war jung und hatte zwei 14jährige Praktikantinnen neben sich. Ich glaube der kam sich als frisch gebackener Arzt SAUGEIL vor…) und machte mir dann nach meiner Frage, ob ich denn nach zwei Wochen die Schiene nun abbekommen würde, unmissverständlich klar, dass das völliger Blödsinn ist! Nach zwei Wochen könnte ich HÖCHSTENS anfangen den Finger zu belasten, also “vorsichtiges Tippen auf der Tastatur, mehr nicht!”, sagt er. Aber die Schiene sollte ich immer wieder anlegen danach.

Dann kam (ENDLICH) der endgültige kommende Verlauf: Nach gesamt vier Wochen kommt die Schine ab, danach würde der Finger wieder belastet werden können, aber auch nur vorsichtig. Dadran schließt sich Krankengymnastik an und die Schrauben kommen nach frühestens 10 Monaten raus!

Endlich wusste ich mal was Sache ist!
Also habe ich dann die nächsten drei Wochen noch mit der Schiene gelebt. Es war Hochsommer, also habe ich nach zwei Wochen angefangen die Schiene immer mal wieder abzumachen, den Arm zu lüften und zu waschen (Alles ganz vorsichtig!), zu kühlen(!!!) und danach wieder dranzumachen. Da sist garkein Problem, könnt ihr auf jeden Fall machen, aber den Finger nich belasten, immer die hand ablegen und aufpassen, dass ihr nirgendwo drankommt, wie ich 😉
Nach drei Wochen also zum Hausarzt: ENDLICh Schiene fott, endlich den Finger wieder benutzen!!!

DENKSTE!!

Nix is!! Der Finger war komplett nich beweglich! Konntge ihn nur ein paar Millimeter bewegen. “Das ist normal!”, sagte er. Also habe ich sechs Stunden Krnakengymnastik verschrieben bekommen.

Von diesen habe ich jetzt 3 hinter mir und muss sagen, dass es genial ist. Die ersten Tage nachdem die Schiene ab war, hatte ich SO SCHISS, dass der Finger so bleibt und verhärtet! Aber nach der ersten Stunde Krankengymnastik war der Finger schon viel beweglicher. Ich solle den Finger auch immer, jeden Tag und so oft es geht selbst trainieren. Und zwar sind das vier Sachen die ihr machen müsst:

  • Passiv und aktiv dehnen (Den Finger einknicken)
  • Passiv und aktiv strecken (Den Finger gerade machen)

Ich mache jeden Tag und so oft es geht Training und ich kann den Finger nun, 10 Tage nachdem die Schiene ab ist, fast wieder ganz einknicken. Aber dahin fehlen noch ca 1,5cm.
Die Therapeutin ist die bisher beste Informationsquelle, endlich kann man mal lange genug Fragen stellen. So habe ich zum Beispiel gefragt, warum denn der Finger so steif sei. Es ist so, dass die Sehen sich extrem verkürzen, wenn man wochenlang den Finger nich bewegt. Zudem fängt das Gelenk, bzw die Kapsel, an sich zu verhärten und zu verwachsen.

Also sechste und wichtigste Regel: Trainiert euren Finger SOFORT nachdem die Schiene ab ist!! Nur so könnt ihr garantieren, dass euer Finger wieder nachezu 100% richtig funktioniert!! Nehmt die Sache ernst und trainiert immer: Aufm weg zur Arbeit, in der Kneipe, wenn ihr vorm Rechner oder der Glotze sitzt, etc…

Zusammengefasst:
Die OP war bei mir die richtige Entscheidung! Ich hatte keine Komplikationen, weder mit der Narkose noch mit der OP an sich und dem fixiertem Finger. Meine wichtigste Lehre war mir:

Von einem gebrochenem Finger zehrt man SEHR lange!! Das dauert Monate, bis der wirklich wieder vollständig einsatzbereit ist, inkl. den Muskeln im Arm, das Handgelenk, die Belastung der ganzen Hand, etc… Nix zwei Wochen, was für ein Quatsch!

Nich nur, dass dir die Ärzte Müll erzählen (Zwei Wochen, ja ja…), sie entscheidne sich im OP-Saal auchnoch mal gerade um, dass man jetzt doch Vanilleeis will und kein Schoko! Zudem weiß ich bis heute nicht, welcher Arzt mich wirklich operiert hat:

  • Der “nach-zwei-Wochen-alles-ok-Arzt”
  • Die “wir-haben-doch-Schrauben-reingemacht-Ärztin”
  • oder doch der unfreundliche “ich-sag-dir-mal-was-sache-ist-Arzt”

Dazu habe ich gelernt, dass das Training danach ultrawichtig ist, sonst hat man nacher einen toten Ast am Finger!

So Leute, ich hoffe ich konnte euch helfen und Fragen beantworten, die ihr mit eurem gebrochenem Finger habt!
Alles Gute und gute Besserung,

Andy!

1 Kommentar bis jetzt:

  • olav

    Schön, dass du das aufgeschrieben hast. Wenn man dann noch bedenkt, dass das ganze Gesundheitssystem eigentlich pleite ist, frage ich mich, warum man da als Patient (“Kunde”) nicht ein wenig mehr Einfluß hat. Ich würde mir z.B. gerne den Arzt aussuchen oder anschließend die Rechnung zu sehen bekommen und diese dann möglicherweise – wie bei einem Handwerker – evtl. wegen nicht erbrachter Leistungen kürzen.

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